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Zwillingsforschung

Wir alle machen in unserem Alltag ständig die Beobachtung, dass Menschen sich unterscheiden und sich in der gleichen Situation unterschiedlich verhalten: Während die einen z.B. scheinbar mühelos Kontakte knüpfen, ziehen sich andere eher zurück und halten sich im Hintergrund.
 
Aber wie lassen sich diese offensichtlichen Unterschiede erklären? Sind sie ein Produkt unserer Genetik oder lassen sie sich durch die Umwelt, in der wir aufwachsen und leben erklären? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Verhaltensgenetik und Antworten hierauf erhofft man sich unter anderem von der Zwillingsforschung.

Wir empfehlen Ihnen zum Einstieg das Video der Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim, die am Beispiel von Intelligenz einen guten Einblick in die Methoden der Verhaltensgenetik und der Zwillingsforschung bietet. In Vorbereitung für das Video hat Mai Thi mit unserem Projektleiter Prof. Frank Spinath gesprochen.
Was ist Verhaltensgenetik?
In dem Forschungsgebiet der Verhaltensgenetik beschäftigen sich Wissenschaftler hauptsächlich mit der Frage, inwieweit sich die Merkmale einer Person (z.B. die Persönlichkeit, die Intelligenz oder bestimmte Einstellungen) durch Unterschiede in den Genen, Einflüssen der Umwelt und auch deren Zusammenspiel erklären lassen. Solche Merkmale werden oft als Phänotypen bezeichnet.

Die Idee der Zwillingsforschung

Mit Hilfe von Zwillingsstudien kann man in einzigartiger Weise den Einfluss dieser genetischen und umweltbedingten Faktoren analysieren.

Unsere Analysen beruhen auf einem Vergleich der Ähnlichkeit von ein- und zweieiigen Zwillingen. Dabei machen wir uns die Tatsache zu Nutze, dass eineiige Zwillinge exakt die gleichen Erbanlagen aufweisen und gleichzeitig sehr viele ihrer Umwelteinflüsse teilen (z.B. den Lebensstil der Familie). Zweieiige Zwillinge teilen im Schnitt nur 50% ihrer Gene. Im Unterschied zu normalen Geschwistern kann man bei ihnen allerdings – ebenso wie bei eineiigen Zwillingen – davon ausgehen, dass sie sehr viele Umweltfaktoren miteinander teilen, denn sie wachsen ja zur gleichen Zeit in der gleichen Familie auf.

Der Vergleich zwischen ein- und zweieiigen Zwillingen ermöglicht uns eine Abschätzung des Einflusses von Genen und Umwelt auf das untersuchte Merkmal. Zeigen zum Beispiel eineiige Zwillinge in einem Merkmal größere Ähnlichkeiten als zweieiige, so deutet dies darauf hin, dass genetische Faktoren zur individuellen Ausbildung dieses Merkmals beitragen. Unterscheiden sich eineiige und zweieiige Zwillinge hingegen nur geringfügig in ihrer Ähnlichkeit, so spräche dies für einen unbedeutenden Einfluss genetischer Faktoren. In diesem Fall wäre die Ursache für die Ähnlichkeit bzw. Unterschiede der Zwillinge also eher im Bereich der Umwelt zu suchen.

➤ weiterführende Literatur zum Thema Verhaltensgenetik und Zwillingsforschung

deutsch
•Spektrum der Wissenschaft Highlights (2016). Gene und Umwelt - Wie wir werden, was wir sind. Springer. Link
•Neyer, F. J. & Spinath, F. M. (2008). Anlage und Umwelt: Neue Perspektiven der Verhaltensgenetik und Evolutionspsychologie. De Gruyter Oldenbourg. Link

englisch
•Plomin, R. (2018). Blueprint: How DNA Makes Us Who We Are. Allen Lane. Link
•Knopik, V. S., Neiderhiser, J. M., DeFries, J. C., Plomin, R. (2016). Behavioural Genetics. Worth.  Link