Wissenswertes

In dem Forschungsgebiet der Verhaltensgenetik beschäftigen sich Wissenschaftler hauptsächlich mit der Frage inwieweit sich die Merkmale einer Person (z.B. die Persönlichkeit, die Intelligenz oder bestimmte Einstellungen) durch Unterschiede in den Genen, Einflüssen der Umwelt, und auch deren Zusammenspiel erklären lassen. Solche Merkmale werden oft als Phänotypen bezeichnet.

➤ Was sind genetische Einflüsse?

Genetische Einflüsse beruhen auf den Erbanlagen eines Menschen. Jeder Mensch hat einen genetischen Bauplan der unsere Merkmale beeinflusst. Manche Merkmale unterliegen dabei stärkeren genetischen Einflüssen, als andere Merkmale. In TwinLife versuchen wir herauszufinden, wie stark die zwischenmenschlichen Unterschiede in einem Merkmal von unseren Genen beeinflusst sind. Wir fragen also z.B. danach, zu wie viel Prozent unsere Gene daran beteiligt sind, dass manche Menschen sich stark für Politik interessieren und andere eher weniger.

Gleichzeitig werden fast alle Merkmale auch durch die Umweltbedingungen (z.B. die elterliche Erziehung oder das soziale Umfeld einer Person), in denen die Menschen leben, beeinflusst.


➤ Was sind Umwelteinflüsse?

Umwelteinflüsse sind Ereignisse, die die Merkmale eines Menschen beeinflussen. Zu ihnen gehören z.B. die elterliche Erziehung oder das soziale Umfeld einer Person. Genau wie unsere Gene, beeinflusst auch die Umwelt manche Merkmale stärker und andere weniger. In TwinLife fragen wir uns, wie groß der Einfluss der Umwelt auf zwischenmenschliche Merkmalsunterschiede ist.


➤ Was bedeutet Erblichkeit?

Die Erblichkeit (engl. heritability) beschreibt wie sehr die beobachteten Unterschiede in einem Merkmal zwischen Individuen auf Unterschiede in ihrer genetischen Ausprägung zurückzuführen sind.

Oft findet man Erblichkeitsschätzungen in wissenschaftlichen Artikeln. Unterscheiden sich Mitglieder einer bestimmten Gruppe von Personen in einem beobachteten Merkmal (z.B. der Persönlichkeit), gibt die Erblichkeit an, welcher Teil der Unterschiede auf die genetische Ausstattung zurückzuführen ist und welcher Anteil sich durch Umweltbedingungen erklären lässt. Dabei ist es wichtig zu betonen, dass die Erblichkeit nichts über Entwicklung eines einzelnen Menschen aussagt, sondern sich immer auf den Mittelwert der Gesamtbevölkerung bezieht.


➤ Wie entstehen Zwillinge?

Eineiige (monozygote) Zwillinge entstehen aus einer einzigen befruchteten Eizelle, die sich früh in ihrer Entwicklung in zwei Teile trennt. Weil sie aus ein und derselben Eizelle entstehen sind eineiige Zwillinge daher genetisch betrachtet identisch.

Werden zwei Eizellen von je einer Samenzelle befruchtet, wachsen im Körper der Frau zweieiige (dizygote) Zwillinge heran. Diese unterscheiden sich in ihren Erbanlagen wie gewöhnliche Geschwister, sie teilen also durchschnittlich 50% ihrer Gene.


➤ Wie bestimmt man die Zygotie (Eiigkeit) der Zwillinge?

In der modernen Geburtshilfe gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, die Ein- oder Zweieiigkeit schon in einem möglichst frühen Stadium festzustellen. Zu den bekanntesten Methoden gehören die Untersuchung der Anzahl der Fruchtblasen, die Geschlechtsbestimmung oder ein DNA-Test.

 

➤ Anzahl der Fruchtblasen

Ein erfahrener Gynäkologe kann bereits in der Frühschwangerschaft erkennen, ob sich Zwillinge in zwei getrennten Fruchtblasen entwickeln (dann sind sie fast immer zweieiig) oder ob sie von einer gemeinsamen äußeren Hülle umgeben sind (eineiige Zwillinge). Diese Untersuchung muss allerdings zwischen der achten und zwölften Schwangerschaftswoche durchgeführt werden, später ist das oft nicht mehr erkennbar.

 

➤ Anzahl der Mutterkuchen

Der Ultraschall gibt auch Auskunft darüber, ob ein oder zwei Mutterkuchen vorhanden sind.

 

➤ Geschlechtsbestimmung

Ab der 15. Schwangerschaftswoche kann der Arzt auch meistens das Geschlecht der Babys erkennen, andernfalls gibt eine Chromosomenanalyse darüber Aufschluss. Diese Prozedur wird aber hauptsächlich zur Erkennung von Chromosomenstörungen eingesetzt und hat nur den Nebeneffekt, dass die Eltern das Geschlecht erfahren. Handelt es sich um ein gemischtes Pärchen, liegt der Fall klar auf der Hand, dass die Zwillinge aus zwei Eizellen entstanden sein müssen.

 

➤ Analyse der Plazenta

Wurde die Eiigkeit nicht schon während der Schwangerschaft bestimmt, gibt es auch nach der Geburt die Möglichkeit die Eiigkeit anhand der Plazenta und deren Anzahl an inneren und äußeren Eihäute festzustellen.

 

➤ Analyse der Blutuntergruppen

Die Eiigkeit lässt sich auch durch eine genaue Untersuchung der Blutuntergruppen- und -faktoren feststellen. Dabei stellt der bloße Vergleich der Blutgruppen einschließlich des Rhesusfaktors jedoch kein sicheres Zeichen dar!

 

➤ DNA- Test

Eine nahezu hundertprozentige Sicherheit bieten DNA- Tests. Es handelt sich dabei um das gleiche Verfahren wie bei den Vaterschaftstests, nur dass eben die Proben der Zwillingsgeschwister miteinander verglichen werden.

 

➤ Ähnlichkeitsdiagnose

Ein anderes Verfahren nennt sich Ähnlichkeitsdiagnose: Es werden dabei zahlreiche erblich bedingte Merkmale miteinander verglichen (z.B. Haarfarbe, Muttermale, Tastlinien an den Fingerkuppen). Sind sie identisch kann von einer Eineiigkeit ausgegangen werden.

 

➤ Irisanalyse

Ein weiteres Verfahren, dass auch auf dem Ähnlichkeitsaspekt beruht, ist die Irisanalyse. Von den Irismerkmalen werden 260 zur Verifizierung herangezogen. Bei Fingerabdrücken zum Beispiel sind es nur 40 Merkmale. Da jedes Auge ein einzigartiges Irismuster hat, und da bei der Iriserkennung so viele Merkmale übereinstimmen müssen, ist eine Verwechslung ausgeschlossen. Das gilt auch für eineiige Zwillinge.


➤ Wie häufig sind Zwillingsgeburten in Deutschland?

Die Häufigkeit von Zwillingsgeburten in Deutschland liegt bei ca. 1,2% (1:85). Dabei ist 1/3 der Zwillingspaare eineiig und damit gleichgeschlechtlich, 1/3 ist zweieiig und gleichgeschlechtlich und 1/3 ist zweieiig und gegengeschlechtlich.


➤ Wie häufig kommen Zwillingsgeburten weltweit vor?

Weltweit kommen etwa bei jeder 40. Geburt Zwillinge auf die Welt. Dabei gibt es regionale Unterschiede. Bei den Yoruba ist es zum Beispiel jede 6. Geburt, in Japan nur jede 100. In Europa gibt es zumindest ein deutliches Nord-Süd-Gefälle.

Die Wahrscheinlichkeit für eineiige Zwillinge ist weltweit gleich: bei Tausend Geburten gibt es etwa vier Mal eineiige Zwillinge. In reichen Ländern nehmen zweieiige Mehrlingsgeburten in den letzten Jahren jedoch zu. Wichtigste Ursache dieser Zunahme liegt in den künstlichen Befruchtungen und Fertilitätsbehandlungen zunehmend älterer Gebärender.


➤ Welche Frauen haben eine größere Chance, Zwillinge zu bekommen?

Die Chance auf zweieiige Zwillinge erhöht sich besonders für Frauen im Alter zwischen 34 und 39 Jahren mit bereits einem oder mehreren Kindern. Im Wesentlichen schafft hier die Mutter die Voraussetzung für ihre Entstehung, indem durch eine erhöhte Produktion des follikelstimulierenden Hormons FSH zwei Eizellen statt einer heranreifen, die dann auch beide befruchtet werden. Auf einem ähnlichen Prinzip beruht eine Hormonbehandlung, weil durch die erhöhte Ausschüttung von Hormonen mehrere Eizellen gleichzeitig heranreifen.


➤ Gibt es eine familiäre Häufung von Zwillingen?

Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Frau zweieiige Zwillinge bekommt ist im Allgemeinen größer, wenn sie selbst Zwilling ist oder es in ihrer Familie schon irgendwann einmal Zwillinge gab. Die gängige Theorie, dass dabei jeweils eine Generation übersprungen wird, wurde bisher nicht wissenschaftlich belegt. Väter haben keinen erwiesenen Einfluss auf die Möglichkeit, zweieiige Zwillinge zu zeugen und es spielt nach bisherigen Erkenntnissen auch keine Rolle, ob in der väterlichen Linie Zwillinge vorkommen. Bei eineiigen Zwillingen spielen alle diese Faktoren keine nachweisliche Rolle. Sie sind ein reines „Zufallsprodukt“.


➤ Sind Zwillinge sich näher als andere Geschwister?

Häufig wird angenommen, dass Zwillinge immer ein gute Beziehung zueinander haben. Allerdings unterscheiden sich Zwillinge im Alltag nicht von anderen Kindern, wenn es um Streit, Neid oder Eifersucht geht. Tatsächlich machen Zwillinge sehr oft die Erfahrung, dass sie die Aufmerksamkeit von anderen Personen innerhalb der Familie - mehr als „normale“ Geschwister - teilen müssen.
 
Zwillinge verbringen während ihrer Kindheit mehr Zeit miteinander als mit irgendjemand anderem (sogar als mit der eigenen Mutter), was ein wesentlicher Faktor für die enge Verbundenheit zwischen ihnen ist. Zwillinge ergänzen sich oft, dabei übernimmt der eine beispielsweise eine dominante Rolle, während sich der andere eher in den Hintergrund zurückzieht („Couple- Effekt“).

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