Fragen und Antworten

1. Zygositätsbestimmung: Eineiig oder zweieiig?

In der modernen Geburtshilfe gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, die Ein- oder Zweieiigkeit schon in einem möglichst frühen Stadium festzustellen. Ein erfahrener Gynäkologe kann bereits in der Frühschwangerschaft erkennen, ob sich Zwillinge in zwei getrennten Fruchtblasen entwickeln (dann sind sie fast immer zweieiig) oder ob sie von einer gemeinsamen äußeren Hülle umgeben sind (eineiige Zwillinge). Diese Untersuchung muss allerdings zwischen der achten und zwölften Schwangerschaftswoche durchgeführt werden, später ist das oft nicht mehr erkennbar.
 
Der Ultraschall gibt auch Auskunft darüber, ob ein oder zwei Mutterkuchen vorhanden sind. Ab der 15. Schwangerschaftswoche kann der Arzt auch meistens das Geschlecht der Babys erkennen, andernfalls gibt eine Chromosomenanalyse darüber Aufschluss (diese Prozedur wird aber hauptsächlich zur Erkennung von Chromosomenstörungen eingesetzt und hat nur den Nebeneffekt, dass die Eltern das Geschlecht erfahren).Handelt es sich um ein gemischtes Pärchen, liegt der Fall klar auf der Hand, dass sie aus zwei Eizellen entstanden sind.
 
Wurde es versäumt die Eiigkeit schon während der Schwangerschaft festzustellen, gibt es nach der Geburt die Möglichkeit, die Plazenta und die Anzahl der inneren und äußeren Eihäute zu untersuchen. Versäumt man auch dies, bietet sich eine genaue Untersuchung der Blutuntergruppen- und -faktoren (der bloße Vergleich der Blutgruppen einschließlich des Rhesusfaktors ist kein sicheres Zeichen!).
 
Eine nahezu hundertprozentige Sicherheit bieten DNA- Tests. Es handelt sich dabei um das gleiche Verfahren wie bei den Vaterschaftstests, nur dass eben die Proben der Zwillingsgeschwister miteinander verglichen werden.
 
Ein anderes Verfahren nennt sich Ähnlichkeitsdiagnose: Es werden dabei zahlreiche erblich bedingte Merkmale miteinander verglichen (z.B. Haarfarbe, Muttermale, Tastlinien an den Fingerkuppen). Sind sie identisch kann man von einer Eineiigkeit ausgehen.
 
Ein weiteres Verfahren, dass auch auf dem Ähnlichkeitsaspekt beruht, ist die Irisanalyse. Von den Irismerkmalen werden 260 zur Verifizierung herangezogen. Bei Fingerabdrücken zum Beispiel sind es nur 40 Merkmale. Da jedes Auge ein einzigartiges Irismuster hat, und da bei der Iriserkennung so viele Merkmale übereinstimmen müssen, ist eine Verwechslung ausgeschlossen. Das gilt auch für eineiige Zwillinge.

2. Häufigkeiten?

Weltweit kommen etwa bei jeder 40. Geburt Zwillinge auf die Welt. Dabei gibt es regionale Unterschiede. Bei den Yoruba ist es zum Beispiel jede 6. Geburt, in Japan nur jede 100. In Europa gibt es zumindest ein deutliches Nord-Süd-Gefälle. Auffallend hoch ist zum Beispiel der Anteil an zweieiigen Zwillingen in Finnland. In Deutschland lag die Anzahl an Zwillingsgeburten im Jahr 2012 bei 11.648, was einem Anteil von ca. 3,5% aller in Deutschland geborenen Kinder entspricht. Die Wahrscheinlichkeit für eineiige Zwillinge ist dagegen weltweit gleich: bei Tausend Geburten gibt es etwa vier Mal eineiige Zwillinge. In den reichen Ländern nehmen zweieiige Mehrlingsgeburten in den letzten Jahren zu. Wichtigste Ursache der Zunahme liegt im steigenden Lebensalter der Gebärenden und den Fertilitätsbehandlungen. Bei der Entstehung von Drillingen und Vierlingen sind die Zahlen sehr unterschiedlich. Unabhängig vom Alter der Mutter oder dem regionalen Faktor sind 95% aller Drillings- und Vierlingsschwangerschaften das Ergebnis einer künstlichen Befruchtung.

3. Welche Frauen haben eine größere Chance, Zwillinge zu bekommen?

Die Chance auf zweieiige Zwillinge erhöht sich besonders für Frauen im Alter zwischen 34 und 39 Jahren mit bereits einem oder mehreren Kindern. Im Wesentlichen schafft hier die Mutter die Voraussetzung für ihre Entstehung, indem durch eine erhöhte Produktion des follikelstimulierenden Hormons FSH zwei Eizellen statt einer heranreifen, die dann auch beide befruchtet werden. Auf einem ähnlichen Prinzip beruht eine Hormonbehandlung, weil durch die erhöhte Ausschüttung von Hormonen mehrere Eizellen gleichzeitig heranreifen.

4. Familiäre Häufung von Zwillingen?

Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Frau zweieiige Zwillinge bekommt ist im Allgemeinen größer, wenn sie selbst Zwilling ist oder es in ihrer Familie schon irgendwann einmal Zwillinge gab. Die gängige Theorie, dass dabei jeweils eine Generation übersprungen wird, wurde bisher nicht wissenschaftlich belegt. Väter haben keinen erwiesenen Einfluss auf die Möglichkeit, zweieiige Zwillinge zu zeugen und es spielt nach bisherigen Erkenntnissen auch keine Rolle, ob in der väterlichen Linie Zwillinge vorkommen. Bei eineiigen Zwillingen spielen alle diese Faktoren keine nachweisliche Rolle. Sie sind ein reines „Zufallsprodukt“.

5. Sind Zwillinge unzertrennlich?

Oft wird selbstverständlich angenommen, Zwillinge seien immer ein Herz und eine Seele, dennoch unterscheiden sie sich im Alltag nicht von anderen Kindern, wenn es um Streit, Neid oder Eifersucht geht. Sie machen sehr oft die Erfahrung die Aufmerksamkeit innerhalb der Familie - mehr als „normale“ Geschwister - teilen zu müssen.
 
Zwillinge verbringen während ihrer Kindheit mehr Zeit miteinander als mit irgendjemand anderem (sogar als mit der eigenen Mutter), was ein wesentlicher Faktor für die enge Verbundenheit zwischen ihnen ist. Zwillinge ergänzen sich oft, dabei übernimmt der eine beispielsweise eine dominante Rolle, während sich der andere eher in den Hintergrund zurückzieht („Couple- Effekt“).
 
Eltern sollten darauf verzichten, ihre Kinder wie eine Einheit zu behandeln, denn das kann den Prozess des „Sich- Auseinander- Entwickelns“ erschweren. Es ist besser, die Unterschiede zwischen den Kindern hervorzuheben und auf ihre individuellen Bedürfnisse einzugehen, damit sich keine Abhängigkeiten oder sonstige Beziehungsprobleme entwickeln. In einem zweieiigen gegengeschlechtlichen Pärchen übernimmt das Mädchen oft den dominanten Part oder die Funktion einer „großen Schwester“, weil es meist entwicklungsmäßig etwas weiter ist.

6. Erblichkeit, was bedeutet das?

Eine Kernfrage der quantitativen Verhaltensgenetik ist inwieweit Merkmalsunterschiede zwischen Individuen einer Spezies auf genetische und Umweltfaktoren zurückgehen. Genetische Einflüsse beziehen sich auf die Erbanlagen einer Person, den genetischen Bauplan, abgesehen von bestimmten Umwelteinflüssen, die die Ausprägung oder die Wirkung bestimmter Gene beeinflussen können. Die Erblichkeit (engl. heritability) ist dabei das Ausmaß in dem genetische Unterschiede beobachtete Unterschiede zwischen Individuen im untersuchten Merkmal erklären. Erblichkeitsschätzungen sagen somit etwas über den Beitrag genetischer Unterschiede zu Unterschieden im Phänotyp zwischen Probanden aus; sie können nichts über die relativen Beiträge von Genen und Erfahrung an der Entwicklung eines Individuums sagen.
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